Im Vorfeld des 101. Katholikentags machen wir (eine Gruppe aus deutschen und tschechischen Jugendlichen) uns mit dem Fahrrad auf den Weg von Prag nach Münster. Getreu dem Motto des Katholikentags „Suche Frieden!“ wollen wir dabei Orte in Tschechien und Deutschland besuchen, die an den Krieg erinnern und zum Frieden mahnen. Außerdem wollen wir unterwegs das Gespräch mit verschiedenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens suchen und herausfinden, wo und wie man Frieden suchen und vielleicht auch finden kann.



Ein „Europa der Menschen“ hat sich die Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde (JA), ein 1950 gegründeter katholischer Jugendverband, als Ziel gesetzt. Die JA ist überzeugt: durch die politische Einigung Europas kann eine dauerhafte Überwindung von Nationalismen gelingen. Mit internationalen Jugendbegegnungen und Projekten will die JA seit Jahrzehnten Europa für junge Menschen erfahrbar machen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs liegt der Schwerpunkt auf den Kontakten in die östlichen EU-Staaten.



Prager Burg

Mit der Prager Burg ist ein besonderes Ereignis verknüpft: der Prager Fenstersturz vor 400 Jahren, genauer gesagt am 23. Mai 1618. Zwei königlich-habsburgische Statthalter wurden damals aus einem Fenster der Prager Burg geworfen. Dieses Ereignis war der Auslöser des Dreißigjährigen Krieges, in dem sich Protestanten und Katholiken bekämpften und der viel Leid und Verwüstung über ganz Europa brachte.



Weißer Berg

Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620 war die erste große militärische Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg. In ihrem Verlauf unterlagen die Truppen der böhmischen Stände unter ihrem König Friedrich V. von der Pfalz den kaiserlichen und bayerischen Truppen der Katholischen Liga. Am Ort der Schlacht wurde eine Kapelle und von 1704 bis 1714 eine barocke Marienkirche errichtet. Seit 2007 leben in dem Kloster Benediktinerinnen, die ökumenisch die Erinnerung an 1620 pfl egen.



Lidice

Lidice ist eine Gemeinde in Mittelböhmen, 20 Kilometer westlich von Prag. In einem Racheakt als Reaktion auf das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich ermordeten im Juni 1942 die Nationalsozialisten alle Männer des Ortes, verschleppten die Frauen in Konzentrationslager und deportierten die Kinder zur „Eindeutschung“ ins damalige Deutsche Reich oder brachten sie um. Der Ort wurde dem Erdboden gleichgemacht. Nach dem Krieg wurde Lidice 300 Meter vom alten Ort entfernt neu aufgebaut. An der Stelle des früheren Lidice befi nden sich heute eine Gedenkstätte und ein Museum.



Massaker von Aussig

Das „Massaker von Aussig“ war nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein gegen die deutsche Zivilbevölkerung gerichteter Pogrom am 31. Juli 1945 in Aussig /Ústí n. Labem in Nordböhmen. Die Menschen wurden erschlagen, in einem Löschwasserspeicher ertränkt oder von der Elbebrücke gestoßen und im Wasser beschossen. Genaue Opferzahlen sind schwer festzustellen. Im Jahr 2005 wurde von der Stadt auf der Dr.-Edvard-Beneš-Brücke als Zeichen der Versöhnung eine Gedenktafel für die Opfer des Massakers an den deutschen Zivilisten enthüllt.



Theresienstadt

Nach der Besetzung der Tschechoslowakei im Jahr 1939 machten die Nationalsozialisten aus der ehemaligen Festung Theresienstadt/Terezín in Nordböhmen ein Konzentrationslager: 1940 wurde zunächst in der Kleinen Festung ein Gestapo-Gefängnis eingerichtet. Von den rund 33.000 Häftlingen kamen dort 2.500 Menschen um, weitere 8.000 von ihnen starben in anderen Konzentrationslagern. Im November 1941 entstand in der Garnisonsstadt ein Sammel- und Durchgangslager, in das vor allem die jüdische Bevölkerung des besetzten Landes verbracht wurde. Rund 140.000 Menschen kamen ins „Ghetto Theresienstadt“, von denen 33.000 zu Tode kamen. 88.000 wurden in andere Lager im Osten deportiert.



Bad Schandau

Bad Schandau ist eine sächsische Kleinstadt sowie ein staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an der Elbe. Bad Schandau liegt an der deutsch-tschechischen Grenze, die auch zwischen den „Bruderstaaten“ DDR und Tschechoslowakei stark bewacht wurde. Heute kann die Grenze ohne Kontrollen überquert werden.



Pirna

Im Schloss Sonnenstein bei Pirna wurde 1811 eine Krankenanstalt eingerichtet. Durch die Nationalsozialisten wurde sie in eine Tötungsanstalt umfunktioniert, in der in den Jahren 1940 und 1941 mindestens 14.000 Menschen umgebracht wurden. Dabei handelte es sich vorwiegend um psychisch Kranke und geistig Behinderte. Die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein erinnert an die dortigen Ereignisse.



Dresden

Die Frauenkirche in Dresden ist eine evangelisch-lutherische Kirche des Barocks und heute ein deutschlandweit bekanntes Symbol für Versöhnung. Während der Luftangriffe auf Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 wurde die Kirche zerstört. In der DDR wurde der Trümmerhaufen der Kirche als Ruine erhalten und diente als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. Im Jahr 1991 wurde der Wiederaufbau der Kirche beschlossen, der 2005 abgeschlossen wurde. Das Kreuz auf der Spitze der Kuppel wurde von einem englischen Kunstschmied geschaffen, dessen Vater als Bomberpilot am Luftangriff 1945 beteiligt war.



Strehla

Strehla ist eine charakteristisch mittelalterlich geprägte Kleinstadt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde diese Stadt berühmt: Die erste Frontbegegnung US-amerikanischer und sowjetischer Truppen auf deutschem Boden fand am 25. April 1945 bei Strehla statt. Am gleichen Tag kam es in Kreinitz bei Strehla an der Elbe zu einer zweiten Begegnung - dieses Treffen wurde auf russischer Seite als erste Begegnung protokolliert. Der „Elbe Day“ am 25. April ist seitdem ein Gedenktag des Zweiten Weltkriegs.



Leipzig

Leipzig die größte Stadt im Freistaat Sachsen, wo der 100. Deutsche Katholikentag im Mai 2016 stattfand. Insgesamt nahmen rund 40.000 Menschen am Katholikentag teil. Papst Franziskus hat Teilnehmer mithilfe einer Videobotschaft gegrüßt. Bundespräsident Joachim Gauck war anwesend und wandte sich an das Publikum. In Leipzig kann man zwei wichtige Sehenswürdigkeiten bewundern. Erste ist das Völkerschlachtdenkmal (Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813, als Preußen Napoleon besiegte), das zu den größten Denkmälern Europas zählt. Die Zweite ist die Nikolaikirche - die älteste und größte Kirche in Leipzig, die 1989 ein zentraler Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR war.



Eisleben

Die Lutherstadt Eisleben ist bekannt als Geburts- und Sterbeort Martin Luthers. Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg zählen seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Eisleben gehört dem Bund der Lutherstädte an. 2016 wurde Eisleben der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen. In der Stadt kann man Martin Luthers Geburtshaus besuchen – es ist ein Stadtwohnhaus aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und auch eines der ältesten Museen im deutschsprachigen Raum.



Abbenrode

Abbenrode ist ein Ortsteil der Gemeinde Nordharz in Sachsen-Anhalt und liegt an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Zur Zeit der DDR lag er durch die Nähe zur innerdeutschen Grenze im Sperrgebiet, was den Verfall von Höfen und einen Rückgang der Einwohnerzahl mit sich brachte. Das Schicksal des Ortes erinnert an den Eisernen Vorhang, der Europa über Jahrzehnte trennte. Die Grenzöffnung bedeutete für den Ort neue Entwicklungsmöglichkeiten



Kloster Corvey in Höxter

Corvey ist eine ehemalige reichsunmittelbare Benediktinerabtei direkt an der Weser auf dem heutigen Stadtgebiet von Höxter. Corvey war ein bedeutendes karolingisches Kloster, es verfügte über eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes, und zahlreiche Bischöfe gingen aus der Abtei hervor. Auf dem Friedhof neben der Kirche liegt das Grab des Dichters der deutschen Nationalhymne, Hoffmann von Fallersleben. Die UNESCO verlieh dem Kloster 2014 den Status eines Weltkulturerbes.



Hidessen

In unmittelbarer Nähe von Hiddesen befindet sich das bundesweit bekannte Hermannsdenkmal. Es handelt sich um eine Kolossalstatue, die zur Zeit des Nationalismus erbaut wurde und an den Cheruskerfürsten Arminius und insbesondere an die sogenannte Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n.Chr. erinnern soll. Mit seiner Höhe ist dieses Denkmal die höchste Statue Deutschlands. Der Blick und das Schwert der 1785 fertiggestellten Statue richten sich Richtung Frankreich, das nach dem Krieg von 1870/71 als Erbfeind Deutschlands galt.



Münster

In Münster findet vom 9. bis 13. Mai 2018 der 101. Katholikentag statt. Der Katholikentag, zu dem das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und das Bistum Münster einladen, steht unter dem Motto: „Suche Frieden“. Das Leitwort greift das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren sowie den Beginn des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren auf, der mit dem Westfälischen Frieden von 1648 in Münster und Osnabrück beendet wurde.







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